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Mammatumore bei der Hündin
Bei älteren Hündinnen (ca. ab dem 6. Lebensjahr)
kann es passieren, daß man beim Streicheln oder der Fellpflege plötzlich
Knoten im Bereich des Gesäuges (Mamma, Milchleiste) tastet. Besonders
häufig treten diese Knoten im hinteren Bereich des Gesäuges
auf. In den meisten Fällen handelt es sich bei diesen Knoten um bös-
oder gutartige Tumore der Milchdrüse.
Sollten sie irgendwelche Knötchen oder gar größere Knoten
fühlen, ist es ratsam, die Hündin möglichst bald beim Tierarzt
vorzustellen.
Die Therapie der Wahl ist die chirurgische Entfernung des Tumors, möglichst
in einem noch sehr kleinen Wachstumsstadium. In der Regel wird der Tierarzt
die gesamte betroffene Milchleiste operativ entfernen, da der Tumor bei
der Entfernung nur eines Drüsenkomplexes sehr häufig innerhalb
kurzer Zeit in einem benachbarten Komplex erneut auftritt. Eine pathologische
Untersuchung des Tumors ist immer empfehlenswert, da diese Aufschluß
über die Tumorart gibt und wichtig für die weitere Prognose
des Krankheitsverlaufs und der weiterführenden Therapie ist (z.B.
zusätzlich Chemotherapie oder Bestrahlung). Vor der Operation sollte,
vor allem bei alten Hündinnen, der gesundheitliche Status mittels
eines Blutbildes überprüft werden. Auch eine Röntgenaufnahme
zur Kontrolle der Lunge ist wichtig, da viele Tumorarten zur Metastasierung
(Streuung des Tumorgewebes in andere Organe) neigen. Im Fall einer nachweisbaren
Streuung in die Lunge oder andere Organe wäre der Erfolg einer Operation
leider sehr fragwürdig.
Nicht unterschätzen darf man auch den negativen Einfluß eines
Gesäugetumors auf das Allgemeinbefinden der Hündin. Bei Tumoren,
die kokosnussgroß sind, kann man sich leicht vorstellen, daß
die Lebensqualität der Hündin stark abnimmt, doch selbst kleine
Tumoren scheinen das Allgemeinbefinden zu stören. So erlebt man es
in der Praxis immer wieder, daß Tierbesitzer ihrer Hündin ob
ihres Alters (10 Jahre und älter), des eventuell schlechteren Allgemeinbefindens
(z.B. Herzpatient) oder ob des nur kleinen Tumors diesen großen
Eingriff ersparen wollen. Ändern sie aber ihre Meinung oder machen
Komplikationen wie schnelles Wachstum oder Ulzerieren (Aufbrechen und
Fisteln) des Tumors den Eingriff unumgänglich, berichten sie im Anschluß,
die Hündin sei plötzlich wieder lebhaft, wie schon lange nicht
mehr. So kann in der Regel immer zu einer frühzeitigen, radikalen
(komplette Gesäugeleiste) OP geraten werden kann.
Tumorprophyllaxe
Man weiß, daß das Gesäuge während des normalen Sexualzyklus
der Hündin durch ein komplexes Mosaik von verschiedenen Hormonen
beeinflußt wird. Die gleichen Mechanismen sind auch bei der Entstehung
von Tumoren wirksam. Im Drüsengewebe sind sehr viele Rezeptoren für
diese Geschlechtshormone vorhanden. Besonders die hinteren Gesäugekomplexe
werden während des Zyklus der Hündin Umbauprozessen unterworfen,
daher vermutet man, daß ihre höhere Tumoranfälligkeit
gegenüber den vorderen auf der Wirkung dieser Hormone basiert. Weiterhin
weiß man, daß für die Entstehung eines Mammatumors multifaktorielle
Gründe wie z.B. die Ernährung, Umwelteinflüsse, immunologische
Faktoren oder genetische Prädisposition verantwortlich sind.
Einflußfaktoren auf
die Gesäugetumorentstehung
a) Kastration
Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, daß der Zeitpunkt der Kastration
Einfluß auf die Entstehung von Mammatumoren hat. Eine Hündin,
die vor dem 1. Östrus (Läufigkeit) kastriert wird, hat eine
Inzidenzrate (Tumorrisiko) von nur ca. 0,5%. Wird nach der 1. Hitze kastriert,
steigt die Inzidenz auf 8%, kastriert man erst nach der 2. Hitze steigt
das Tumorrisiko auf 26%. Wird die Hündin erst im Alter von 2,5 Jahren
oder später kastriert, hat die Kastration keinen schützenden
Einfluß mehr auf die Bildung von Mammatumoren. Auch bei bereits
bestehenden Tumoren kann die Kastration das Tumorwachstum nicht mehr beeinflussen.
Untersuchungsergebnisse zeigen, daß bei unkastrierten Hündinnen
Mammatumoren 2,5 bis 4 mal häufiger auftreten als bei kastrierten.
b) Läufigkeitsunterdrückungen
Die hormonelle Läufigkeitsunterdrückung mit Progeste-ronpräparaten
kann in Abhängigkeit vom Wirkstoff und der Behandlungsdauer Mammatumoren
induzieren. Vor- und Nachteil einer solchen Läufigkeitsunterdrückung
sind deshalb gut abzuwägen.
c) Zyklusprobleme & Scheinträchtigkeit
Hündinnen mit Läufigkeitsunregelmäßigkeiten oder
der Neigung zur Scheinträchtigkeit zeigen kein häufigeres Auftreten
von Mammatumoren als Hündinnen mit einem regelmäßigen,
unproblematischen Zyklus. Allerdings wird ein Zusammenhang von Erkrankungen
des Geschlechtsapparates, wie z.B. Eierstockszysten, persistierende Gelbkörper,
Hyperplasie (Wucherung) der Gebärmutterschleimhaut, und der Entstehung
von Mammatumoren gesehen. Neuste Studien haben gezeigt, daß 27%
der Hündinnen mit Gesäugetumoren auch an pathologischen Veränderungen
des Geschlechtsapparates leiden. Möglicherweise ist der Prozentsatz
in der Praxis sogar noch höher, da nicht automatisch alle Hündinnen
mit Mammatumoren auch kastriert und somit überprüft werden.
d) Trächtigkeit
Eine Trächtigkeit scheint das Risiko von Gesäugetumoren im Alter
minimal zu reduzieren
e) Hormontherapien bei Mammatumoren
Aus der Humanmedizin ist bekannt, daß durch den Einsatz von sogenannten
Anti-Hormonen, wie dem Tamoxifen, Mammatumore zurückgedrängt
werden können. Bei der Frau treten Mammatumoren aber in der Regel
solitär (einzeln) auf und zeigen eine gleichmäßige Verteilung
von Östrogen- und Progesteronrezeptoren. Bei der Hündin treten
die Tumoren dagegen multipel (mehrfach) auf und die Rezeptorverteilung
innerhalb der Tumoren variiert sehr stark Der Erfolg einer solchen Anti-Hormontherapie
ist deshalb bei der Hündin fraglich, da bei angemessener Dosierung
des Medikamentes nicht alle Tumorgebiete gleichermaßen erreicht
werden.
Die sicherste Vorbeugung von Mammatumoren im Alter
ist sicherlich die frühe Kastration der Hündin. Gleichzeitig
beugt man hiermit ungewollten Trächtigkeiten und einer möglichen
Gebärmuttervereiterung, für die die Hündin leider recht
anfällig ist, vor. Sollte ihre Hündin nicht kastriert sein,
lassen sie sich von ihrem Tierarzt zeigen, wie sie selbst das Gesäuge
ihrer Hündin regelmäßig untersuchen können. Die routinemäßige
Gesäugekontrolle durch den Tierarzt beim jährlichen Impfbesuch
kann je nach Tumorart nämlich zu wenig sein.
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