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Erkrankungen der Nebennieren
Die Nebennieren sind paarig angeordnet und in
der Nachbarschaft von linker und rechter Niere zu finden. Sie bestehen
funktionell aus der Nebennierenrinde (NNR) und dem Nebennierenmark (NNM).
In der Nebennierenrinde werden die sogenannten Kortikosteroide synthetisiert:
Man unterscheidet dabei die Mineralokortikoide (Aldosteron) - Hormone,
die für die Regulation des Elektrolythaushaltes wichtig sind, und
die Glukokortikoide (bekanntester Vertreter ist das Kortison) - Hormone,
die wichtige Funktionen z.B. im Kohlenhydratstoffwechsel übernehmen.
Darüberhinaus erfolgt in der Rindenzone die Synthese von androgenen
Steroiden (= männliche Hormone). Im Nebennierenmark werden hingegen
die sogenannten Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin) produziert
- Hormone, die im Körper vielerlei Funktionen haben (Regulation des
vegetativen Nervensystems).
Die wichtigsten Störungen dieses Systems sind:
1. Hyperplasien der NNR - durch Vergrößerung des Organs kommt
es zu übermäßigen
Kortikosteroidproduktion (= zu viel Kortison etc.), es entsteht das sogenannte
Cushing-Syndrom.
2. Zerstörung oder Atrophie der NNR - hier werden zu wenig Kortikosteroide
produziert
(= zu wenig Kortison etc.), wodurch es zur Ausbildung der sogenannten
Addison-Krankheit kommt.
Das Cushing-Syndrom
Das Cushing-Syndrom (CS) stellt zusammen mit Diabetes mellitus
die häufigste hormonelle Störung des Hundes dar. Unter dieses
Syndrom fallen alle Veränderungen im Organismus, die durch den Einfluß
chronisch erhöhter Serumglukokortikoidspiegel entstehen. Die Ursache
für das CS kann zentral bedingt sein (hypophysäres oder zentrales
Cushing-Syndrom) oder auf funktionellen NNR-Tumoren beruhen. In 80 - 85
% der Fälle liegt ein zentrales CS vor, d.h. tumorös veränderte
Zellen der sogenannten Hypophyse (= Hirnanhangsdrüse) produzieren
massiv überhöhte Mengen des Hormons ACTH. Dieses Hormon führt
zur starken Vergrößerung der beiden Nebennierenrinden, eine
übermäßige Kortisonproduktion ist die Folge. In 15 - 20
% der Fälle liegt die Tumorbildung direkt an der Nebennierenrinde
vor. Aber auch in diesem Fall kommt es zur Ausschüttung übermäßiger
Kortisonmengen. Ca. 50 % der NNR-Tumoren sind bösartig und neigen
zur Ausbreitung in benachbartes Gewebe und zur Metastasierung.
Da die Kortikosteroide (=Kortison und seine Derivate) in praktisch allen
Körpergeweben ihre Wirkung entfalten - Beeinflussung des Kohlenhydrat-,
Fett- und Proteinstoffwechsels, Beeinflussung von Wasser- und Elektrolythaushalt,
Beeinflussung des Blutbildes, der Blutdruckregulation, der Entzündungshemmung
sowie der Gegenregulation in Streßsituationen - haben dauerhaft
erhöhte Glukokortikoidspiegel im Blut die entsprechenden Nebenwirkungen
zur Folge.
Vorkommen des CS:
Es erkranken meist Hunde in der 2. Lebenshälfte. Hündinnen
sind etwas häufiger betroffen als Rüden. Bei folgenden Rassen
wird die Erkrankung gehäuft beobachtet: Dackel, Pudel, Terrier, Cocker
Spaniel, Deutscher Schäferhund, Boxer und Beagle.
Symptome:
Das Krankheitsbild kann sehr unterschiedlich sein, je nachdem wie viele
der typischen "Cushing-Symptome" der Hund aufweist:
Polydipsie (vermehrte Wasseraufnahme), Polyurie (vermehrter Harnabsatz)
Polyphagie (gesteigerter Appetit)
Stammfettsucht, Hängebauch, Lebervergrößerung
Massive Haut- und Fellveränderungen: Haarausfall, meist beidseits-symmetrisch,
besonders an Bauch, Flanken und Ohren, das verbleibende Fell ist trocken
und stumpf. Hautatrophie ("Papierhaut"), v.a. am Unterbauch,
Hyperpigmentierung (Schwarzverfärbung der Haut)
Muskelschwäche und -atrophie
Vermehrtes Hecheln
Ausbleiben der Läufigkeit, Hodenatrophie
Blutbildveränderungen: erhöhte Blutzuckerwerte (20% der Hunde
entwickeln im Verlauf der Erkrankung einen Diabetes mellitus), erhöhte
Leberwerte, erhöhte Cholesterinwerte, Veränderungen im weißen
Blutbild, Schilddrüsenunterfunktion
Das spezifische Gewicht des Urins ist meist reduziert, häufig wird
vermehrt Protein mit dem Harn ausgeschieden und es liegt eine bakterielle
Harnwegsinfektion vor.
Diagnosestellung:
Das CS kann durch einen Urin- und verschiedene Bluttests gut nachgewiesen
werden.
Therapie:
Es gibt zur Behandlung des CS verschiedene Therapiemöglichkeiten.
In der Regel ist die Behandlung mit Lysodren die Therapie der Wahl. Sein
zytostatischer Wirkstoff Mitotane zerstört selektiv die Nebennierenrinde
- man unterscheidet zwischen einer totalen medikamentösen Zerstörung
der NNR und einer partiellen. Da die NNR bei einer totalen Zerstörung
überhaupt keine Kortikosteroide mehr synthetisiert, muß der
Patient die Menge an Kortison, die er für einen funktionierenden
Organismus braucht, in Tablettenform zugeführt bekommen. Anders bei
einer nur teilweisen Zerstörung der NNR, hier wird der Patient so
eingestellt, daß er selbst noch ausreichend Kortikosteroide produziert.
Eine enge Kontrolle des Patienten ist in jedem Fall notwendig, da nicht
ungefährliche Nebenwirkungen auftreten können. Bei den ersten
Anzeichen wie z.B. Erbrechen, Durchfall, Zittern, Apathie und Schwäche
muß daher sofort Rücksprache mit dem Tierarzt gehalten werden.
Positive Anzeichen, daß die Lysodrene -Therapie hingegen gut anschlägt,
sind ein deutlicher Rückgang der Leitsymptome Polydipsie und Polyurie
innerhalb kurzer Zeit. Selbst bei einem gut eingestellten Patienten sollten
2-3 jährliche Blutwertkontrollen (Überprüfung des Kortisolspiegels)
erfolgen.
Prognose:
Bei Hunden mit zentralem CS ist die Prognose vorsichtig bis günstig
zu stellen - ganz wichtig ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Tierarzt
und Tierbesitzer. Bei Tieren mit NNR-Tumoren ist die Prognose vor allem
auch abhängig vom Charakter des Tumors (z.B. Grad der Bösartigkeit,
Metastasenbildung).
Auch wenn die Behandlung des CS nicht ganz einfach und nicht ganz billig
ist, führen die Cushing-Symptome ohne Therapie vielfach zu einer
so starken Reduzierung der Lebensqualität, daß eine Euthanasie
erforderlich wird.
Die Addison-Krankheit
Die Addison-Krankheit, auch Morbus Addison genannt, beruht auf einer Nebennierenrinden-Insuffizienz
(NNRI), wodurch es zum teilweisen oder kompletten Mineralokortikoid- und/oder
Glukokortikoidmangel kommt.
Man unterscheidet die primäre NNRI und die sekundäre.
Häufigste Ursache der primären NNRI ist die immunvermittelte
Zerstörung der Nebennierenrinde, wodurch es meist sowohl zum Mineralokortikoid-
als auch zum Glukokortikoidmangel kommt. Bei der sekundären NNRI,
die wesentlich seltener vorkommt als die primäre, ist die Ursache
der Insuffizienz zentral bedingt, d.h. Zubildungen, entzündliche
Prozesse oder Traumen im Hypothalamus/Hypophysenbereich des Gehirns bedingen
einen Mangel der Hormone ACTH oder CRH. Ein Mangel dieser Hormone führt
zur Atrophie (Schwund) der Nebennierenrinde. Im Fall der sekundären
NNRI ist ein Glukokortikoidmangel vorherrschend, die Mineralokortikoidproduktion
ist meist normal.
Beim Morbus Addison macht sich besonders der Mangel des
Mineralokortikoids Aldosteron bemerkbar. Aldosteron ist das wichtigste
Mineralokortikoid für die Natrium-, Chlor- und Wasserrückresorption
bzw. die Kaliumausscheidung in der Niere. Ein Aldosteronmangel führt
daher zu Natrium-, Chlor- und Wasserverlust sowie zu erhöhten Kaliumwerten
im Blut. Die vorherrschenden Auswirkungen sind Volumenmangel, Austrocknung
(Dehydratation), Blutdruckabfall, Störungen des Energiestoffwechsels,
Beeinträchtigung der Herzfunktion, Magen-Darm-Störungen und
beeinträchtigte Streßtoleranz.
Vorkommen der Addisonkrankheit:
Insgesamt ist es eine eher seltene Erkrankung. Wenn erkranken bevorzugt
jüngere Hunde großer Rassen, Hündinnen sind häufiger
betroffen als Rüden.
Symptome:
Die meisten Symptome sind unspezifisch und individuell stark variierend.
Zudem unterscheidet man einen akuten und einen chronischen Verlauf der
NNRI.
Symptome der akuten Form:
Apathie, Schwäche bis hin zum Kollaps, Nahrungsverweigerung
Schocksymptome, Blutdruckabfall, Dehydration
Extreme Verlangsamung des Herzschlages, teilweise mit Herzrhythmusstörungen
Symptome der chronischen Form:
immer wieder auftretender Appetitmangel, Erbrechen, Durchfall, Gewichtsverlust
Apathie, Muskelschwäche und reduzierte Leistungsfähigkeit, Zittern
Polydipsie (vermehrte Wasseraufnahme), Polyurie (vermehrter Harnabsatz)
Blut im Stuhl
Symptomauslösung bzw. Verschlimmerung bei Streßbelastung
Im Blutbild zeigen sich besonders bei Mineralokortikoidmangel typische
Veränderungen:
erhöhte Blutkaliumwerte, erniedrigte Blutnatriumwerte, das Natrium/Kalium-Verhältnis
ist erniedrigt.
Weitere Blutbildveränderungen können Anämie,
erhöhte Harnstoffwerte, erhöhter Phosphor- und Kalziumspiegel
und erniedrigter Blutzuckerspiegel sein.
Je nach Ausmaß des erhöhten Blutkaliumspiegels, anderer Elektrolytveränderungen
und den Störungen im Säure-Basehaushalt kann es zu deutlichen
EKG-Abweichungen mit den entsprechenden Folgen kommen. Im Röntgenbild
können sich Herz- (Pfahlherz) und Lungenveränderungen zeigen.
Diagnosestellung:
Die Diagnosesicherung erfolgt durch eine Blutuntersuchung mittels eines
sogenannten ACTH-Stimulationstest.
Therapie:
Bei der Therapie unterscheidet man die Sofortmaßnahmen im Fall einer
lebensbedrohlichen akuten "Addison-Krise" und die Erhaltungstherapie
bzw. Dauermedikation. Im akuten Notfall müssen sofort Dauertropfinfusionen
mit physiologischer Natrium-Chlorid-Lösung und die Gabe spezieller
Kortisonpräparate (Hydrokortison) erfolgen. Wenn sich das Befinden
des Patienten nach 1 - 2tägiger Intensivbehandlung stabilisiert hat,
kann die Erhaltungstherapie eingeleitet werden. Hierbei werden in der
Regel bestimmte Mineralo- und Glukokortikoide kombiniert, um ihren Mangel
im Organismus auszugleichen.
Prognose:
Bei der primären NNRI ist die Prognose bei regelmäßiger
Medikamenteneinnahme günstig. Schlechter sind die Aussichten bei
der seltenen sekundären NNRI. Da hier ein hypophysärer Tumor
vorliegen kann, ist die Prognose vorsichtig bis ungünstig zu sehen.
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