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Reisekrankheit beim Hund
Unter Reise-, Flug- oder Seekrankheit, medizinisch
"Kinetose" genannt, versteht man die Reaktion von Mensch und
Tier auf ungewohnte, passive Bewegungen, wie man ihnen beispielsweise
im Auto, im Flugzeug oder auf dem Schiff ausgesetzt ist. Also immer dann,
wenn man sich nicht selbst bewegt, sondern bewegt wird.
Ursachen der Reisekrankheit:
Der Reisekrankheit beim Hund liegen vor allem zwei Ursachen zu Grunde,
die sich gegenseitig beeinflussen und unterschiedliche Ausmaße annehmen
können:
- passive Bewegung
- Angst vor dem Transport
Um Bewegungen des Körpers wahrzunehmen und zu verarbeiten steht dem
Organismus das Gleichgewichtsorgan im Innenohr zur Verfügung. Ursprünglich
ist dieses natürlich angelegt, um die Fortbewegung zu Fuß zu
registrieren. Wird der Körper aber stark beschleunigt, ohne dabei
selbst aktiv zu sein, kann das Gleichgewichtsorgan dies als eine Art Sinnestäuschung
empfinden und entsprechend empfindlich reagieren. Es kommt zur Reizung
des vegetativen Nervensystems - die "Bewegungserkrankung" =
Kinetose ist entstanden. Dieser Effekt wird noch verstärkt, wenn
ungewohnte Reize einwirken (z.B. 1. Autofahrt, Flug- oder Schiffsreise)
oder wenn die optischen Reize nicht mit den Reizen übereinstimmen,
die auf das Gleichgewichtsorgan einwirken (z.B. Tier in seiner Transportbox
kann die Bewegung des Fahrzeuges nicht sehen, aber fühlen).
Reiseangst wird hingegen durch mangelnde, fehlende oder
gar schlechte Erfahrungen verursacht. Hinzu kommt, daß die fremden
Geräusche, Gerüche oder die auftretende Übelkeit das Tier
verunsichern und ängstigen. Die erste Autofahrt eines Welpen führt
ihn meist fort von seiner Mutter und den Geschwistern, reißt ihn
aus seiner gewohnten, vertrauten Umgebung - kein Wunder, wenn er in Zukunft
mit dem Autofahren schlechte oder zumindest beängstigende Erfahrungen
verbindet. Da diese Ängste einen direkten Einfluß auf die Kinetosen
haben, wird durch die Angst die Reisekrankheit noch verstärkt.
Symptome der Reisekrankheit:
Klassisches Bild der Reisekrankheit sind ängstliches Verhalten, Übelkeit
und Erbrechen. Gut erkennbar ist diese Problematik an folgenden Symptomen
während der Fahrt:
- vermehrtem Hecheln, Zittern, Speicheln
- Fiehen, Verstecken
- Bellen, Jaulen
- Urin-, Kotabsatz
Therapie der Reisekrankheit:
Am besten gewöhnt man bereits Hunde im Welpenalter ans Autofahren
(frühzeitige Gewöhnung). Wenn bereits der Züchter die Kleinen
mal durchs Auto toben läßt, evtl. bei laufendem Motor, oder
eine kleine Spritztour mit der Hündin und Ihren Welpen unternimmt,
haben es die neuen Besitzer mit Sicherheit bei der ersten Autofahrt viel
leichter. Kennt der Welpe beim Besitzerwechsel das Autofahren noch nicht,
sollte bei der Fahrt ins neue Zuhause äußerst behutsam umgegangen
werden, die Trennung von Mutter und Geschwistern ist schließlich
schwer genug: viel Zuspruch, kein Türenschlagen, kein Motoraufheulen
oder abruptes Beschleunigen, langsames Fahren, für Ablenkung sorgen,
bei längeren Fahrten möglichst kleine Pausen machen. So lernt
der Kleine das Autofahren möglichst entspannt und stressfrei kennen.
Liegt erst einmal eine Reisekrankheit vor, muss das Autofahren
trainiert werden. Das Prinzip beruht auf einer klassischen Gegenkonditionierung,
d.h. das unangenehme Autofahren wird nach und nach mit angenehmen Erfahrungen
verknüpft, bis der Hund lernt, daß Autofahren eine tolle Sache
ist. Je nach Schwere des Falls wird der Hund anfangs bereits belohnt,
wenn er sich nur in die Nähe des Autos wagt. Funktioniert dies problemlos,
gibt es das Leckerchen im nächsten Schritt im Autoinnenraum. Akzeptiert
das Tier den Aufenthaltsort entspannt, sollte die gesamte Fütterung
ins Autoinnere verlegt werden. Bei weniger verfressenen Tieren gestaltet
man das Auto durch Spiel- oder Schmusestunden interessanter. Ganz wichtig
ist bei alledem, das Tier nie zu überfordern, man sollte nie ungeduldig
werden, sobald der Hund Unwohlsein oder gar Angst zeigt, wird die Trainingsstunde
abgebrochen und am nächsten Tag behutsam weitergemacht.
Als nächstes wird der Hund an den Platz im Fahrzeug gewöhnt,
an dem er in Zukunft beim Autofahren sitzen soll (z.B. Rückbank,
Kombikofferraum, Transportbox). Nach und nach werden nun die Türen
geschlossen, man setzt sich selbst ans Lenkrad, läßt den Motor
laufen und beginnt schließlich mit ganz kleinen Fahrten. Alle Punkte
sollten langsam gesteigert werden, um Rückfälle zu vermeiden.
Durch diese Gegenkonditionierung wird dem Hund zum einen die Angst vor
dem Autofahren genommen, das langsame Steigern der Fahrtzeiten läßt
dem Tier aber auch die nötige Zeit, sich an das passive Bewegtwerden
zu gewöhnen.
Besonders anfangs kann auch die Gabe eines Antiemetikums
(= Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen) sein. Um das Angstpotential
schneller in den Griff zu bekommen, bieten sich Sprays an, die das sogenannte
"Dog Appeasing Pheromone" enthalten. Die Mutterhündin gibt
diese Botenstoffe ihren Welpen über die Muttermilch mit. Sie signalisiert
so den Welpen, daß sie keine Angst zu haben brauchen, dass alles
in Ordnung ist, gleichzeitig vermittelt sie ihnen dadurch eine Art Rudelgeruch.
Diesen Effekt macht man sich nun durch synthetisch hergestellte Pheromone
zu Nutzen. Ich berate Sie gern, wie Sie Ihrem Vierbeiner am besten helfen
können.

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