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Schutzimpfungen beim Hund Die lebensgefährlichen Infektionskrankheiten beim Hund
werden vor allem durch Viren hervorgerufen. Im Gegensatz zu Bakterien,
die durch Antibiotika bekämpft werden können, gibt es gegen
Viren leider keine wirksamen Medikamente. Bei einer Virusinfektion kann
der Tierarzt deshalb nur versuchen, den Krankheitsverlauf zu mildern und
so das Schlimmste zu verhindern. Die Antikörper werden durch die Muttermilch auf die Hundewelpen übertragen, so daß die Welpen direkt nach der Geburt auf diese Weise geschützt sind. Allerdings hält dieser Schutz nur wenige Wochen an, und die Jungtiere müssen frühzeitig durch Impfung zur Bildung eigener Schutzstoffe angeregt werden. Diese sogenannte Grundimmunisierung ist der erstmalige Aufbau eines Impfschutzes. Hierbei erhält das Tier zwei Impfungen im Abstand von 3 - 4 Wochen. Die 2. Impfung (Booster) ist nötig, um sicher zu stellen, daß der Impfschutz optimal aufgebaut und nicht eventuell durch Reste mütterlicher Antikörper unterdrückt wurde. Da die Schutzwirkung von Impfungen zeitlich begrenzt ist, müssen Wiederholungsimpfungen in regelmäßigen Abständen vorgenommen werden. Nur so ist gewährleistet, daß ihr Hund dauerhaft geschützt ist. Achten sie deshalb stets auf die Termine zur Impfwiederholung im Impfpaß ihres Tieres. Staupe Das Staupevirus (verwandt mit dem menschlichen Masernvirus) kommt in allen Ländern mit Hundehaltung vor und ist leider auch bei uns verbreitet. Durch konsequente Impfung ist die Zahl der erkrankten Tiere aber zum Glück stark zurückgegangen. Die Ansteckung erfolgt meist durch Kontakt von Hund zu Hund (Sekrete und Exkrete von erkrankten Tieren), kann aber auch indirekt durch Einschleppung mit Schuhen, Kleidung, Freßgeschirr oder über die Hände erfolgen. Außerdem können Marder und Frettchen die Krankheit übertragen. Erste Krankheitszeichen treten etwa nach einer Woche auf. Die Symptome hängen von Individuum, Alter und Immunkompetenz des Tiers und den betroffenen Organen ab. Erste Anzeichen sind in der Regel Fieber, Augen- und Nasenausfluß, Mattigkeit und Appetitmangel. Im weiteren Verlauf äußert sich die Staupe je nach Organbefall. Bei der "Darmstaupe" leiden die Hunde an beinah unstillbarem Durchfall (wässrig bis blutig) und Erbrechen. Die "Lungenstaupe" äußert sich in quälendem Husten, evtl. mit hochgradiger Atemnot, eitrigem Nasenausfluß und einer manifesten Lungenentzündung. Eine besonders gefürchtete Komplikation ist die sogenannte "nervöse Form" der Staupe. Das Virus verursacht hierbei Schädigungen am Gehirn, die zu psychischen Veränderungen, Zittern, Drehbewegungen, Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen und Krampfanfällen, vergleichbar dem Erscheinungsbild der Epilepsie, führen. Ferner können die Haut (hochgradige Hautrötung mit Pustelbildung, v.a. am Unterbauch, an Schenkel- und Ohrinnenflächen), Pfoten und Nasenspiegel (Hyperkeratose, starke Hornbildung, an den Ballen und auf dem Nasenspiegel) und die Augen (Lichtscheue, Augenentzündungen, Hornhautgeschwüre, Erblindung) betroffen sein. Die Prognose muss äußerst vorsichtig gestellt werden. Sie ist von der Form und der Schwere der Erkrankung abhängig. Todesfälle sind häufig und Tiere, die die Krankheit überleben, behalten oft lebenslange Schäden wie Zahnschmelzdefekte (Staupegebiss), spröde, rissige Pfoten und unter Umständen Verhaltensstörungen zurück. Eine Grundimmunisierung ist ab der 8. Lebenswoche möglich. Nach Boosterung in der 12. Lebenswoche reicht die jährliche Wiederholungsimpfung. Hepatitis contagiosa canis (H.c.c.) Nicht weniger gefährlich als die Staupe ist die Hepatitis contagiosa canis, eine ansteckende Leberentzündung. Erreger ist ein canines Adenovirus. Die Ansteckung erfolgt auf gleichem Weg wie bei der Staupe und auch die Symptome sind ähnlich. Die Tiere haben Fieber, verweigern die Nahrungsaufnahme, sind matt und leiden unter starken Bauchschmerzen. Viele Hunde, besonders Welpen, sterben in dieser Phase. In manchen Fällen tritt der Tod auch ganz plötzlich ohne vorherige Symptome ein, was von den Besitzern häufig als Vergiftung gehalten wird. Bei abwehrstärkeren Hunden kann es im weiteren Verlauf zu Erbrechen, Durchfall, Mandelentzündung mit schmerzhafter Lymphknotenschwellung, Ödeme an Kopf Hals und Unterbrust, erhöhter Blutungsneigung, Lungenentzündung und Störungen des zentralen Nervensystems kommen. Bei Hunden, die die Krankheit überleben, besteht die Gefahr, daß eine chronische Hepatitis zurückbleibt, bleibende Hornhauttrübungen können ferner zur Erblindung führen. Auch gegen die H.c.c. kann routinemäßig ab der 8. Lebenswoche geimpft werden. Nach Boostern in der 12. Lebenswoche ist ihr Hund für ein Jahr geschützt. Tollwut Die Tollwut ist für alle Säugetiere - ebenso für den Menschen - lebensgefährlich. Das im Speichel befindliche Tollwutvirus wird hauptsächlich durch den Biss infizierter Füchse (Vorsicht auch bei anderen Wildtieren, z.B. Marder) übertragen, eine Übertragung über die Schleimhäute durch Fressen infizierten Fleisches ist aber auch möglich. Das Virus greift das zentrale Nervensystem an und ruft Aggressivität (Beißwut, Raserei), Wesensveränderungen und Lähmungserscheinungen hervor. Fortschreitende Ruhelosigkeit, Gleichgewichtsstörungen gefolgt von Krämpfen und Lähmungen führen schließlich zum Tode. Der Mensch infiziert sich seltener an Füchsen (überfahrene Tiere nicht mit der bloßen Hand anfassen, besonders zutrauliche Wildtiere nicht streicheln!) als am Biss durch tollwutkranke Katzen oder Hunde. Aufgrund der enormen Gefahr für den Menschen gehört die Tollwut zu den anzeigepflichtigen Seuchen und unterliegt als solche der staatlichen Kontrolle. Falls sie den Verdacht haben, dass ihr Hund Kontakt mit
einem tollwutkranken Tier hatte, müssen sie auf jeden Fall - schon
im eigenen Interesse - umgehend einen Tierarzt aufsuchen. Für das
weitere Vorgehen ist dann massgeblich, ob der Hund eine gültige Impfung
hat. Nach der Grundimmunisierung ab der 12. Lebenswoche (nur
eine Injektion nötig) besteht ein Impfschutz für ein Jahr. Bei Jungtieren ist die Immunabwehr noch nicht voll entwickelt und bei älteren Tieren lässt die körpereigene Abwehr immer mehr nach. Hinzu kommt, dass Junghunden und alten Tieren oft die nötigen Reserven fehlen, um sich mit gefährlichen Infektionskrankheiten auseinanderzusetzen (deshalb auch Grippeimpfung bei älteren Menschen). Parvovirose Die Parvovirose ist eine hochgradig ansteckende Viruserkrankung. Canine Parvoviren , die Erreger dieser gefährlichen Krankheit, werden von erkrankten Tieren über längere Zeit massenhaft mit dem Kot ausgeschieden und sind in der Außenwelt sehr lang lebensfähig. Somit stellt nicht nur der direkte Kontakt mit einem erkrankten oder noch Viren ausscheidenden Tier und jedes "Hundehäufchen" eine potentielle Ansteckungsquelle dar, auch über kontaminiertes Futter , Kleidung und Gegenstände kann sich ihr Hund infizieren. Die Krankheit beginnt mit hochgradiger Mattigkeit, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen und hohem Fieber oder Untertemperatur. Kurz darauf erbrechen die Tiere massiv, zunächst Reste der letzten Mahlzeit, bald nur noch Schleim und Galle. Hinzu kommt explosionsartiger, stinkender Durchfall, der anfangs wässrig ist, aber bald blutig wird und Darmschleimhautfetzen enthält. Durch Erbrechen und Durchfall verliert der Hund sehr schnell große Mengen Flüssigkeit, er leidet unter starkem Durst, ist aber in diesem Zustand meist schon zu geschwächt, um noch selbst zu trinken. Rasche Austrocknung führt zu einem deutlich sichtbaren Verfall und letztlich zum Tod. Selbst wenn bei den ersten Anzeichen der Krankheit tierärztliche Hilfe in Anspruch genommen wird, sind trotz aufwendiger Intensivmedizin besonders Jungtiere meist nicht zu retten. Bei sehr jungen Welpen kann die Infektion zum akuten Herztod führen, ohne dass die Welpen vorher Krankheitssymptome gezeigt haben. Tiere, die die Erkrankung überleben, können dauerhafte Herzschäden mit entsprechend eingeschränkter Leistungsfähigkeit zurückbehalten. Normalerweise wird ab der 8. Lebenswoche mit der Grundimmunisierung begonnen, 3 - 4 Wochen später geboostert und die Impfung jährlich aufgefrischt. Sind die Welpen jedoch einem erhöhten Infektionsdruck ausgesetzt, sollte von ihrem Tierarzt ein ganz spezielles Impfschema erstellt werden. Die Parvovirose wird gelegentlich auch als "Katzenseuche der Hunde" bezeichnet. Das feline Parvovirus ist auch eng mit dem caninen Parvovirus verwandt. Es kann jedoch weder eine Katze einen Hund, noch umgekehrt ein Hund eine Katze, anstecken. Leptospirose Eine weitere gefährliche Erkrankung ist die Leptospirose. Sie ist auch unter dem Namen Stuttgarter Hundeseuche oder Weil'sche Krankheit bekannt. Die Erreger dieser Krankheit gehören zu den Bakterien und können nicht nur für den Hund, sondern auch für den Menschen, v.a. für Kinder, gefährlich werden (Zoonose!). Hunde, und vor allem Ratten und Mäuse, die den Erreger mit dem Harn ausscheiden, gelten als Ansteckungsquellen. Auch verschmutzte Teiche, Tümpel, Sümpfe und Pfützen beherbergen das Bakterium. Die Krankheit beginnt oft mit abnormer Müdigkeit, plötzlicher Schwäche und schwankendem Gang. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es dann zu Fieber, Nahrungsverweigerung, teilweise unstillbarem Erbrechen, Durchfall (evtl. blutig), vermehrtem Durst und häufigem Harnabsatz. Seltener sind ZNS-Störungen, Kreislaufprobleme, Atemnot und Sehstörungen. Die Schädigung von Leber und Niere führt ohne Behandlung zum Versagen dieser Organe und somit zum Tod. Da die Leptospirose eine bakterielle Erkrankung ist, kann sie zwar mit einem Antibiotikum behandelt werden, der Erfolg ist aber abhängig von Schweregrad und Verlauf der Nieren- und Leberschädigung. Die Grundimmunisierung kann ab der 8. Lebenswoche erfolgen und erfordert eine 2. Gabe nach 3 - 4 Wochen. Die Auffrischung steht im gewohnten einjährigen Abstand an. Zwingerhusten Anders als der Name vielleicht fälschlich vermuten lässt, können nicht nur im Zwinger gehaltene, sondern auch Wohnungshunde, an Zwingerhusten erkranken. Als Erreger kommen gleich eine ganze Reihe verschiedener Viren und Bakterien in Frage (z.B. Grippeviren, auch die menschlichen, und Bordetellen). Die Ansteckung erfolgt über eine Tröpfcheninfektion und erfasst schlagartig eine ganze Hundepopulation (Ausstellung, Hundeplatz, Hundeschule, Tierpension). Die Auswirkungen der Krankheit hängen ganz stark von den Umgebungsfaktoren (z.B. Haltung, Klima, individuelle Stresssituation und Alter, sonstige Erkrankungen) ab. Bei robusten Tieren stehen trockener Husten ohne oder mit unbedeutenden Allgemeinstörungen, seröser Nasenausfluss und eine Mandelentzündung im Vordergrund. In schwerwiegenderen Fällen kommt es zu Fieber, gestörtem Allgemeinbefinden, quälenden Hustenanfällen (der Besitzer hat den Eindruck, sein Tier versucht zu erbrechen), rapidem Leistungsabfall, Kehlkopfentzündung (keine Stimme mehr oder nur heißeres Bellen) bis hin zur schweren Lungenentzündung. Der Zwingerhusten verläuft selbst bei geschwächten oder jungen Tieren selten tödlich, doch kann sich die Erkrankung je nach Schweregrad und Art der beteiligten Erreger trotz tierärztlicher Behandlung über Wochen hinziehen. Grundimmunisierung und jährliche Impfauffrischung sind ratsam, bieten aber leider keinen 100 %igen Schutz. In Problembeständen empfiehlt sich der zusätzliche Einsatz intranasal anzuwendender Vakzine (spezielle Impfung in Form von "Nasentropfen"). Zum großen Glück für Hund und Herrchen
gibt es einen Kombinationsimpfstoff für die aufgeführten Krankheiten.
So ist ihr Liebling mit einem kleinen "Pieks" im Jahr, der so
genannten 6-fach-Impfung, gegen die gefürchtetsten Hundekrankheiten
geschützt.
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