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Notfall Vergiftung Zum Glück sind Vergiftungen wesentlich seltener als häufig angenommen. Und in 90 % aller Tiervergiftungen war es nicht der "böse Nachbar" oder ein "Tierhasser", sondern der Hauptgrund von Vergiftungsfällen ist menschliche Fahrlässigkeit und Unwissen!!! Da als Vergiftungsursache bei Hund und Katze zahlreiche Möglichkeiten in Betracht kommen, sollten Sie beim Verdacht auf Vergiftung immer sofort den Tierarzt aufsuchen. Ihrem Hund kann am schnellsten und effektivsten geholfen werden, wenn Sie die Vergiftungsursache kennen und diese (wenn möglich) gleich mit in die Praxis bringen (z.B. die Verpackung von Pflanzenschutzresten,...) Mögliche Vergiftungsursachen
können sein: Die Erstversorgung in einem solchen Notfall wird deshalb
immer unspezifische Maßnahmen zur Sicherung der Vitalfunktionen
(Freihalten der Atemwege, evtl. künstliche Beatmung, Schockbehandlung,
Herz-Kreislauf-Behandlung unter EKG-Kontrolle, Leber- und Nierenschutztherapie,
Gehirn- und Lungenödemprophylaxe) sein, ferner die Verhinderung einer
weiteren Aufnahme (Resorption) des Giftes in den Körper, denn die
Entgiftung ist die wirkungsvollste aller Maßnahmen. Zur Verhinderung der weiteren Resorption eines Giftes dienen
zur Entgiftung bzw. zur Dekontamination Brech- (Emetika) und Abführmittel
(Laxantien), resorptionshemmende Mittel - Adsorbentien (in Abhängigkeit
vom Gift z.B. Aktivkohle, Milch, Paraffinöl, Tannalbin), Magenspülungen
und Einläufe sowie bei äußerlichem Kontakt sehr gründliches
Reinigen von Haut und Haarkleid (Waschen, Scheren). Um bereits resorbierte
und in der Blutbahn befindliche Stoffe rasch aus dem Körper zu entfernen,
werden Diuretika eingesetzt und reichlich Flüssigkeit in Form von
Infusionen zum "Verdünnen" und "Ausschwemmen"
zugeführt. Wichtig: Bringen Sie bei Verdacht auf Vergiftung Ihr Tier sofort zum Tierarzt. Nur er hat das Wissen und die Mittel um Ihrem Tier schnell zu helfen.
Cumarin-Vergiftung Cumarinderivate, die als "Rattengift" eingesetzt
werden, sind recht häufig die Ursache von Vergiftungen. Hierbei ist
die Vergiftungsgefahr durch Fressen vergifteter Nager jedoch gering, da
die einmalige Aufnahme des Giftes weniger gefährlich ist als die
wiederholte Aufnahme selbst kleiner Mengen. Zur gefährlichen Vergiftung
kommt es daher in der Regel durch die Aufnahme der unachtsam an für
Hund und Katze zugänglichen Orten ausgelegten Giftköder. Nicht
selten vergiften Herrchen und Frauchen so ihr eigenes Haustier. Cumarin
wirkt als Antikoagulanz, das die Prothrombinbildung in der Leber blockiert,
so daß es durch Blutgerinnungsstörungen und Schädigung
der Blutgefäßwände zu Blutungen im gesamten Körper
kommt. Erste Vergiftungssymptome treten durch die körpereigenen Prothrombinreserven
erst nach einigen Tagen auf: verwaschene Schleimhäute, Blutungen
aus allen Körperöffnungen, erhöhte Herzfrequenz, schwacher
Puls, Atemnot, das Tier zeigt keine Schmerzen. Labordiagnostisch stützen
Gerinnungstests die Diagnose. Rechtzeitig erkannt kann man die Cumarin-Vergiftung
neben der Notfallbehandlung durch Vitamin K-Gaben (Antidot) über
mehrere Tage therapieren, gegebenenfalls sind zusätzlich Vollbluttransfusionen
notwendig. Organophosphate (Phosphorsäureester, z.B. E605) spielen heute vor allem als Insektizide (Schädlingsbekämpfungsmittel) und Herbizide (Unkrautvertilgungsmittel) eine Rolle. Eine Vergiftung mit Organophosphaten führt zu einer lang anhaltenden Überschwemmung des Organismus mit Acetylcholin, einem Botenstoff des parasympatischen Nervensystems, und der damit verbundenen ausgeprägten Stimulation cholinerger Rezeptoren. Vergiftungssymptome können bereits 30 Minuten nach der Giftaufnahme auftreten und äußern sich zum einen durch Miosis (Pupillenengstand), Speichelfluß, Erbrechen, Durchfall, Kolik, Harnabsatz, Bradykardie (Verlangsamung des Herzschlags), Blutdruckabfall, sowie lebensbedrohliche Bronchokonstriktion und -sekretion, und zum andern durch Muskelzittern, Muskelsteife und schließlich Paralyse (Lähmung). Da Organophosphate auch ins Gehirn gelangen, kommt es durch Stimulation zentraler Rezeptoren zu Ataxien, Tremor, Krämpfen und schließlich zum Koma mit Atemlähmung. Es muß so schnell wie möglich gehandelt werden: neben einer intensiven Notfallbehandlung des Patienten wird Atropin als Antidot eingesetzt, je nach Schwere der Vergiftung über mehrere Tage. Thallium-Vergiftung Das Schwermetall Thallium wird ebenfalls zur Bekämpfung von Schadnagern (Rodentizid) eingesetzt und führt bei akuter Vergiftung durch direkte Aufnahme oder auch durch das Fressen vergifteter Nagetiere zu einer hochgradigen Magen-Darm-Entzündung mit Erbrechen von Blut, blutigem Durchfall, Bauchschmerzen und Futterverweigerung. Vergiftungssymptome treten binnen 1 bis 4 Tagen auf. Atemnot, Zittern, Ataxie und Krämpfe kommen erschwerend hinzu. Die toxische Wirkung von Schwermetallen (z.B. auch Blei, Quecksilber, Arsen) basiert auf proteindenaturierenden Eigenschaften, der Blockade von aktiven Enzymzentren, der Radikalbildung, der Verdrängung von Calcium und der Methämoglobinbildung (Sauerstofftransportsysteme im Blut werden zerstört). Der Erfolg der Behandlung bei einer Thallium-Vergiftung, die durch den Einsatz von Komplexbildnern als Antidot (Eisenhexacyanoferrat) möglich ist, hängt gravierend vom Zustand des Patienten und der bereits erfolgten Schädigung der inneren Organe (v.a. Leber und Niere) ab. Metaldehyd-Vergifung Das als Schneckengift ("Schneckenkorn") bekannte Metaldehyd ist durch seinen süßen Geschmack für Hunde und Katzen leider sehr attraktiv, so daß es immer wieder zu Vergiftungen kommt. Auch in Brennstoffen wie Trockenspiritus ist Metaldehyd enthalten. Erste Vergiftungssymptome treten bereits nach 30 Minuten bis wenigen Stunden auf. Beginnend mit starkem Speichelfluß kommt es schnell zu Erbrechen, Unruhe, Koordinationsstörungen, Durchfall, Atemnot, hohem Fieber, Zittern, Krämpfen, Lähmungen und schließlich zur Bewußtlosigkeit. Da es kein Gegengift gibt, ist die möglichst schnelle Entgiftung lebensnotwendig. Bereits der Tierbesitzer sollte die Maulhöhle seines Vierbeiners kontrollieren und noch an der Maulschleimhaut klebende Metaldehydstücke sofort entfernen. Organische Kohlenwasserstoffe Als Schädlingsbekämpfungsmittel, v.a. als Insektizid, bekannt ist Hexachlorcyclohexan ("Lindan"). Katzen reagieren besonders empfindlich auf chlorierte Kohlenwasserstoffe. Die fettlöslichen Verbindungen können in toxikologisch relevanten Mengen durch die Haut resorbiert werden. Zusätzlich wird einiges aufgrund der Fellpflege durch Ablecken oral aufgenommen. Klinische Symptome setzen binnen weniger Stunden ein und äußern sich in verstärkter Salivation, Durchfall, Fieber, Koordinationsstörungen, gesteigerter Reaktion auf äußere Reize, Muskelzuckungen bis hin zu Krämpfen. Da es kein spezifisches Antidot gibt, hat die Behandlung v.a. zum Ziel, einen weiteren Kontakt und die Resorption des Giftes zu verhindern: Abwaschen des Giftes, Magenspülung, Adsorbentien, Abführmittel. Ethylenglykol Das als Frostschutzmittel verwendete Ethylenglykol führt wegen seines süßen Geschmacks, der es für Tiere interessant macht, besonders im Winter nicht selten zu Vergiftungsfällen. Durch Aufnahme von Ethylenglykol kommt es zur generalisierten Schädigung der Kapillare und des Zentralen Nervensystems. Die sich bereits nach 30 - 60 Minuten zeigenden Vergiftungssymptome sind Erbrechen, Benommenheit, Ataxie, Krämpfe, Untertemperatur und schließlich Koma. Bei akuten Vergiftungen tritt der Tod durch Herzversagen ein. Chronische Vergiftungen sind durch Nierenversagen gekennzeichnet. Eine Behandlung kann nur Erfolg versprechen, wenn sie innerhalb weniger Stunden nach der Giftaufnahme erfolgt. Von der Vielzahl der Giftstoffe sind hier wirklich
nur die häufigsten Vergiftungsursachen beschrieben. Aber sie sehen,
welch dramatische und nicht selten tödliche Folgen solche Gifte haben
können. Gehen sie deshalb nicht leichtfertig mit giftigen Substanzen
um, sondern äußerst vorsichtig und verantwortungsbewußt.
Besser noch sie vermeiden ihren Einsatz, wo immer es möglich ist.
Darüber hinaus sollten Pestizide, Chemikalien, Putzmittel, Medikamente
und sonstige gefährliche Substanzen nicht nur für Kinder, sondern
auch für Tiere unzugänglich aufbewahrt werden!
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